Lehrkräfte an Schulen sollen zukünftig für Parkplätze zahlen – warum nicht?

Viele Städte in Deutschland verlangen Parkgebühren von ihren Mitarbeitenden mit Büros in der Innenstadt. Auch Lehrerinnen und Lehrer sollen demnächst für einen Stellplatz auf dem Schulhof zahlen. Der Aufschrei ist groß, doch mein Verständnis für die Proteste ist klein. Die Mobilitätskolumne.

vom Recherche-Kollektiv Busy Streets:
4 Minuten
Schultür mit Schild, dass die Autoverkehr auf dem Schulhof regelt.

In meinem beruflichen Alltag spielt die Parkplatzsuche meist keine Rolle, deshalb kann ich unbeschwert darüber schreiben. Als freiberuflicher Journalist habe ich ein kleines Büro zuhause. Meine Dienstreisen mache ich überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nur selten mit dem Auto.

20 bis 70 Euro für Schulhofparkplatz

Für viele Lehrerinnen und Lehrer sieht das anders aus, zumindest wenn sie an einer Schule in einer größeren Stadt arbeiten. In vielen deutschen Städten werden sie demnächst für das Parken mehr bezahlen müssen. Vor allem in NRW, aber nicht nur dort, wird eine scheinbare Selbstverständlichkeit verschwinden, von der LehrerInnen jahrzehntelang profitiert haben. Parkplätze auf dem Schulgelände werden nicht mehr kostenlos sein, die Kommunen wollen dafür Gebühren verlangen. Einige Städte und Kreise haben schon längst damit begonnen, und es ist sichtbar, dass sich dieser Trend bundesweit ausweitet. Die Preise für den Stellplatz schwanken dabei von 20 Euro im Monat in kleineren Orten bis zu 70 Euro, die Düsseldorf demnächst von den Lehrkräften einfordern will. Die Stadt Düsseldorf verlangt von ihren städtischen Beschäftigten bereits Parkgebühren, wenn diese in Büronähe parken wollen, obwohl der Job gut mit dem ÖPNV zu erreichen ist.

Parkgebühr empört LehrerInnenverbände

Was die autofahrenden Lehrkräfte für ihr Geld bekommen, unterscheidet sich von Ort zu Ort. Manchmal gibt es einen garantierten Stellplatz, manchmal nur die Berechtigung nach einem Parkplatz zu suchen. Ist der Schulhof voll, dann muss der Pkw woanders untergebracht werden. Nicht nur in Düsseldorf sind die Betroffenen empört: Die Stadt wolle einfach nur abkassieren, weil die LehrerInnen kaum eine Alternative hätten als zu zahlen. An den Schulen gäbe es bereits zu wenig Personal und die Parkplatzgebühr würde die Lehrkräfte ermuntern, andere Schulen zu wählen und damit die Situation zusätzlich verschärfen. In dieser Argumentation führen Parkgebühren fast unweigerlich zu mehr Unterrichtsausfall und das kann ja niemand wollen.

Dort, wo ich wohne, muss man als Anwohner einen Parkausweis haben oder Parkgebühren von bis zu vier Euro pro Stunde bezahlen. Ein Platz im Parkhaus kostet monatlich zwischen 90 und 150 Euro. Es gibt fünf Schulen in meiner Umgebung und die haben schon sehr lange einen Teil der Schulhoffläche für Autos reserviert.

Wer darf Flächen in der Stadt nutzen?

Parkplätze in der Innenstadt sind ein typischer Interessenkonflikt. Aus der Sicht der Autofahrenden gibt es immer zu wenig. Aus der Sicht der Anlieger - vor allem bei denen, die kein Auto haben - stehen die Blechkarossen ständig im Weg. Sie blockieren Platz für Bäume, Fahrräder oder für mehr Außengastronomie, jetzt beim beginnenden Frühling. Ich bewege mich irgendwo dazwischen. Aber meine Nachbarin ist sauer. Sie würde sich gern ein E-Bike kaufen, aber wohnt im zweiten Stock und kann das schwere Ding weder hochtragen, noch in den Keller schleppen. Die Lösung wäre eine abschließbare Fahrradbox auf einem der vielen Parkplätze in unser Straße. Die Stadt hat zwar in meinem Viertel geschützte Boxen für Fahrräder aufgestellt, aber die sind alle längst belegt.

Parkplatzpflicht für Bürogebäude

Die neuen, großen Bürogebäude in der Stadt mussten alle Tiefgaragen bauen, damit die Autos der Mitarbeitenden nicht die Straßen in der Nachbarschaft blockieren. LehrerInnen könnten ähnlich argumentieren. Das Gratis-Parken ist ein Bestandteil des Jobs und elektrische Ladesäulen sind die Kirsche auf der Torte. Viele AnwohnerInnen würden diesen Service und den Parkplatz gern nutzen - und sogar dafür zahlen. Aber die Schranken der Tiefgaragen und Schulhöfe bleiben für sie geschlossen. Denn die Technik ist dafür nicht ausgelegt oder die Firmen wollen aus Sicherheitsgründen oft nicht, dass nachts Menschen in ihren Tiefgaragen unterwegs sind. Obwohl es dort Tausende freie Parkplätze gibt. Könnte sich nicht jemand kümmern, dass das möglich wird?

Relikt der Vergangenheit

Dass Lehrerinnen und Lehrer umsonst parken dürfen, ist ein Relikt der Vergangenheit. Es gehört abgeschafft, zumindest dort, wo die Nicht-LehrerInnen ein paar hundert Meter von der Schule entfernt, teuer zahlen müssen. Schade, dass das ihre Lobbyverbände nicht einfach zugeben mögen. Aus meiner Sicht könnten die Lehrkräfte einen Bonus bekommen, wenn sie auf den Stellplatz verzichten und ohne Auto zur Arbeit kommen oder Park & Ride nutzen und die letzte Strecke mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad fahren. Das Deutschland-Ticket ist für viele städtische Beschäftigte in Düsseldorf schon mehr als die Hälfte günstiger als der Normaltarif.

Die Idee, dass es auf dem Schulhof gar keine oder nur noch ein Viertel der bisherigen Parkplätze gibt, scheint völlig verrückt zu sein. Man könnte dort Spielgeräte für Kinder bauen oder Möglichkeiten zur Bewegung anbieten. Oder eine sichere Fahrradbox für meine Nachbarin bauen. Die würde sogar dafür zahlen.

Dieser Text gehört zu einer regelmäßigen Kolumne des Recherche-Kollektivs Busy Streets. Weitere Mobilitätskolumnen finden sie hier.

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