Umweltschützer in El Salvador: Gefährlicher Kampf gegen einen Autokraten

Präsident Nayib Bukele hat ein Gesetz aufheben lassen, das den Bergbau in dem winzigen mittelamerikanischen Land verbot. Offenbar paktiert er schon mit ausländischen Investoren. Im Interview spricht Umweltschützerin Vidalina Morales darüber, warum sie trotz Todesangst weiter Widerstand leistet.

vom Recherche-Kollektiv Südamerika+Reporterinnen:
8 Minuten
Die 55jährige Vidalina Morales mit Hut und selbstbemaltem Protest-T-Shirt und Plakat sowie mit Megafon bei einer Demonstration gegen Bergbau in El Salvador.

El Salvadors Umweltschützerïnnen hatten für diesen Sieg hart gekämpft: 2017 verbot der Kongress den Bergbau in dem mittelamerikanischen Land. Jahrelang hatten die Gegnerïnnen demonstriert, wissenschaftliche Gutachten erstellen lassen und die Bevölkerung aufgeklärt, was Bergbau in einem so kleinen, dicht besiedelten Land bedeutet. Auch die katholische Kirche schloss sich dem Kampf an. Und schließlich fand sich eine Kongressmehrheit für das Verbot.

Sieben Jahre herrschte daraufhin Ruhe. Dann, im Dezember 2024, verkündete Präsident Nayib Bukele, das Land habe die weltweit größten Goldvorkommen pro Quadratkilometer – ohne Beweise dafür vorzulegen. Kurz vor Weihnachten brachte er in den von seiner Partei kontrollierten Kongress ein Gesetz zur Legalisierung des Bergbaus ein. Die Parlamentarierïnnen winkten es ohne Debatte durch.

Damit überschritt der bislang wegen seiner harten Hand gegen die kriminellen Banden beliebte Staatschef eine rote Linie. Umfragen zufolge ist die Hälfte der Bevölkerung gegen den Bergbau. Seit Wochen kommt es immer wieder zu Protesten.

Die 55-Jährige Umweltschützerin Vidalina Morales, Präsidentin der Vereinigung für Wirtschaftliche und Soziale Entwicklung in Santa Marta, ist ein prominentes Urgestein des Widerstands.

Fischerboot auf einem spiegelglatten Wasser, im Hintergrund Vulkane.
Der Lempa ist der wichtigste Fluss von El Salvador. Er versorgt die Hauptstadt mit Trinkwasser und ist Lebensader für Fischer wie hier in der Bucht von Jiquilisco.
Mehrere Gesteinsschichten in unterschiedlichen Farben, hintereinander aufgereit, erstrecken sich bis zum Horizont.
Blick auf eine vom Staub vernebelte Mine im Tagebergbau in El Espinar/Peru.
Ein Fischer rudert in einem Holzboot auf dem Rio Lempa.
Der Lempa-Fluss würde durch den Bergbau mit Schwermetallen vergiftet. Von den Einnahmen durch den Bergbau hätte die arme Bevölkerung wie dieser Fischer nichts, sagt Morales.
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