Ping-Pong-Spiel im Kunstverein - ein subversiver Akt?

Wie experimentelle Kunst aus Brasilien die latent drohenden Gefahren in autokratischen Systemen erfahrbar macht und sich gegen sie auflehnt.

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Ein Frau mit graumelierten Haaren gießt in Anwesenheit von Besuchern Tischtennisbälle aus einem Karton über einenTischtennistisch und den Boden.

Demokratie verachtende, autokratische Systeme haben überall Aufwind. Was sagt die Kunst dazu? Anders als der neorealistische Film Für immer hier, bezeugt das Werk der Künstlerin Lenora de Barros die Erfahrung der Militärdiktatur in Brasilien indirekt, aber nicht weniger intensiv.

Die Sprache ist eine schillernde Diva, die einem nicht immer gehorcht. Sagt der Tonfall mehr als Worte? Leonora de Barros ist eine Expertin für das komplexe Verhältnis von Körper und Sprache. Doch geht es ihr eben nicht um Psychologie, sondern um die spielerische Kreation neuer Sinnzusammenhänge und neuer Situationen. Die Künstlerin erkundet Sprache sensitiv, spielt mit Klang und Rhythmus, arrangiert Zeichen vieldeutig im Raum. Ihre visuellen Gedichte und Aktionen leben vom Zufall und einem Zug ins Fantastische. Dieser Mix präsentiert sich in großer Einfachheit, aber mit großem Effekt, wie sie Ausstellung Leonora Barros.To See Aloud im Badischen Kunstverein zeigt.

Teil eines multisensorischen Gedichts werden

Die Aussage „laut zu sehen“ erscheint zunächst widersinnig. Dabei ist die multisensorische Wahrnehmung bei allen Lebewesen der Normalfall. Vielleicht ist der Titel auch nur ein Hinweis, ihre Werke nicht nur zu betrachten, sondern auf das Klacken der Bälle auf dem Boden und der Tischtennisplatte zu hören. Der extra für die Schau angefertigte „Ping Poem Table“ ist für das Publikum freigegeben. Im Spiel entfaltet sich ein Klanggewitter, dem normalerweise niemand Aufmerksamkeit schenkt und die Spieler:innen werden Teil eines multisensorischen Gedichts.

Blick in einem hohen Raum; im Vordergrund eine Tischtennisplatte; auf dem Boden liegen Tischtennisbälle.
Lust auf einen Schlagabtausch am Ping-Poem-Table? Lenora de Barros verbindet konkrete Poesie mit Interaktion und Spiel.
Drei große Bildschirme, die in einem abgedunkelten Saal auf dem Boden im Raum stehen.
Das brasilianische Wort lingua bedeutet sowohl Zunge als auch Sprache. Lenora de Barros nutzt diese Doppeldeutigkeit für ihre experimentellen Videogedichte.
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