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Zoo-logisch: Neuer Sinn bei Robben, Lauterzeugung bei Haien und Gänsestopfleber ohne Qual
Zoo-logisch: Robben haben einen siebten Sinn, und ängstliche Haie können laut werden
Tiere brauchen Schutz, guter Schutz braucht Wissen: Die Tier-Reporter berichten in ihren News über einen neu entdeckten Sinn bei Wirbeltieren, Glatthaie, die Klicklaute erzeugen, und eine erfreuliche Alternative zur herkömmlichen Gänsestopfleber. Außerdem: Ein Webinar über Fledermäuse und Lesenswertes zum Artenschutz im eigenen Garten.

Zoo-logisch – die News-Rubrik der Tier-Reporter. Heute mit folgenden Themen:
Erforscht: Robben haben siebten Sinn | Entdeckt: Wenn Haie laut werden | Empfohlen: Fledermaus-Webinar und Arche-Buch | Erfreulich: Gänsestopfleber ohne Qual
Erforscht: Robben haben siebten Sinn
Jagende Kegelrobben bleiben für gewöhnlich viereinhalb Minuten unter Wasser und tauchen 65 Meter tief. Es ist überlebenswichtig für die Säugetiere, rechtzeitig wieder aufzutauchen, denn sie sind auf den Sauerstoff aus der Atemluft angewiesen.
Bislang dachte man, dass die Robben wie andere Wirbeltiere auch den Gehalt an Kohlendioxid (CO2) im Blut messen, um abzuschätzen, wie lange sie noch unter Wasser bleiben können. Gewöhnliche Säugetiere oder Vögel regulieren das Tempo ihrer Atmung mithilfe von CO2-Sensoren in den Halsschlagadern.
Diese indirekte Art der Messung scheint für Kegelrobben aber nicht genau genug zu sein. Jetzt fanden schottische Forschende heraus, dass ihnen das zirkulierende Kohlendioxid weitgehend egal ist und sich nicht auf die Dauer ihrer Tauchgänge auswirkt. Selbst wenn 200-mal so viel CO2 im Blut ist wie gewöhnlich, tauchen sie nicht kürzer.

Stattdessen bleiben sie immer dann besonders lange unter Wasser, wenn ihr Blutsauerstoffspiegel hoch ist, und verkürzen die Tauchgänge, sollte dieser niedrig sein. Dies deute darauf hin, „dass Robben während des Tauchens den Sauerstoffgehalt im Blut wahrnehmen und die Dauer des Aufenthalts unter Wasser entsprechend planen“, schreiben die US-Forschenden Lucy Hawkes and Jessica Kendall-Bar in einem Begleitkommentar zu der Studie, die im Fachblatt Science publiziert wurde.
Noch ist der zugehörige Sinn nicht gefunden, aber die Forschenden vermuten, dass er in den gleichen Zellen der Halsschlagadern sitzt wie der CO2-Sinn anderer Tiere. Vermutlich sei der neu entdeckte Sinn sogar die ursprünglichere Variante. Erst mit dem Erobern des Landes seien die Vorfahren heutiger Wirbeltiere auf die CO2-Messung umgestiegen. Kegelrobben und vermutlich viele andere Tierarten, die lange tauchen müssen, greifen heute auf dieses evolutive Erbe zurück.
Entdeckt: Wenn Haie laut werden
Was ist zu hören, wenn der vermeintlich lautlose Killer der Meere sein Schweigen bricht? Knurren Haie, brüllen oder zischen sie? Weder noch: Wie jetzt zum ersten Mal gezeigt werden konnte, geben Glatthaie der neuseeländischen Art Mustelus lenticulatus Klickgeräusche von sich. Dann klingen sie fast so kläglich wie Feuerzeuge, die einfach nicht zünden wollen. Das hat ein internationales Team von Meeresbiologïnnen per Zufall herausgefunden und berichtet jetzt davon – mit Hörprobe! – in der Fachzeitschrift „Royal Society Open Science“.
CDs mit Haigesängen wird es auf absehbare Zeit wohl nicht geben. Und doch ist die Entdeckung spektakulär. Haie gehören zu den evolutionär uralten Knorpelfischen und haben weder eine Schwimmblase noch andere Organe oder Strukturen, die Geräusche hervorbringen können. Umso überraschter war das Team um die Meeresbiologin Carolin Nieder, als die jungen Glatthaie Klicklaute von sich gaben, sobald sie von den Forschern angefasst und festgehalten wurden. Zumindest für einige Zeit: Die Tiere gewöhnten sich wohl an die Berührung und verstummten dann wieder.
Diese Art ist möglicherweise die Ausnahme unter ansonsten stummen Haispezies. Sie trägt keine spitzen, sondern plattenförmige Zähne im Maul, um hartschalige Krustentiere knacken zu können – und um vielleicht diese Laute zu erzeugen. Wozu die Geräusche dienen, ist unklar. Die Forscher vermuten, das Klicken könnte helfen, Raubtiere wie Pelzrobben zu verwirren. Um Hilferufe unter Artgenossen handelt es sich dagegen wahrscheinlich nicht: Die Frequenzen der Klickgeräusche liegen größtenteils über dem Hörbereich der Tiere.
Empfohlen: Webinar über Fledermäuse
Fledermäuse sind neben den nahe verwandten Flughunden die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Sie orientieren sich im Dunkeln via Ultraschall und fressen haufenweise Insekten. Weltweit haben sie fast alle Lebensräume besiedelt – selbst in Großstädten sind sie heimisch. Allerdings finden die Flattertiere immer seltener passende Quartiere zum Überleben. Kein Wunder also, dass viele der 25 in Deutschland lebenden Arten bedroht sind.
Wer mehr über Fledermäuse erfahren möchte, kann sich jetzt für ein kostenloses Webinar der Deutschen Wildtierstiftung anmelden. Am 15. April 2025 gibt der Diplom-Biologe und Fledermaus-Spezialist Florian Gloza-Rausch „Einblicke in die verborgene Welt der Fledermäuse“.

Empfohlen: Wir sind die Arche
Mary Reynolds ist eine irische Gärtnerin und Landschaftsgestalterin. Sie weiß, wie lebendig ein Garten sein kann, wenn man ihn der Natur zurückgibt. Dann wird mehr aus ihm als ein verwildertes Stück Land. Er wird zur Arche, zu einem Refugium für die Artenvielfalt, die heute so massiv gefährdet ist. „Selbst ein briefmarkengroßes Stück Land ist von Bedeutung“, schreibt Reynolds und widmet sich in ihrem Buch „Wir sind die Arche“ den großen und kleinen Maßnahmen, die jeder Mensch umsetzen kann, der ein Stückchen Garten besitzt.
Manches ist bekannt und lässt sich rasch umsetzen: etwa die Anlage von Totholzhecken, Steinhaufen und Laubansammlungen. Anderes braucht Zeit und vor allem Überwindung. Da werden Versiegelungen aufgebrochen, invasive Sträucher durch einheimische ersetzt, Sandwälle aufgeschüttet oder der Rasen entfernt, damit dort eine wilde Wiese wachsen kann. Die Radikalität, die Reynolds fordert, kann anfangs irritieren. Aber sie hat auch etwas Entlastendes. Denn im Wesentlichen geht es der Autorin darum, der Natur die Regie zu überlassen. Die weiß es schließlich am besten, was das ist: ein intaktes Ökosystem.
Mit Illustrationen von Ruth Evans. Seit dem 17. März im Buchhandel.
Erfreulich: Gänsestopfleber ohne Qual
Foie gras, Gänsestopfleber, ist eine kulinarische Spezialität, die überwiegend aus der Fettleber von etwa drei Monate alten Gänsen oder Enten hergestellt wird. Die Methode, mit der diese Tiere gemästet werden, ist jedoch brutal und in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, inzwischen verboten.
Bis zu fünfmal pro Tag werden den Tieren große Mengen Futtermais oder Maisbrei in den Magen gepresst. Dadurch verfettet rasch deren Leber und erreicht die zehnfache Größe eines gesunden Organs. Trotzdem wollen viele Gourmets auf den feinen Geschmack von Foie gras, der sich bislang nicht imitieren ließ, nicht verzichten.
Doch jetzt hat ein Team von Forschenden um Thomas Vilgis vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz ein Rezept gefunden, mit dem sich eine Alternative herstellen lässt, deren Mundgefühl und Geschmack echter Foie gras sehr ähnlich ist. Dafür wurde kollagenreiches Gewebe wie etwa Haut gekocht und daraus ein Gel hergestellt. Mit Leber und Fett wurde es dann zu einer Pastete vermischt. Der eigentliche Clou: Die Forschenden behandelten das Gemisch mit einem Gänseenzym und kamen so dem Schmelz einer Foie gras sehr nahe.
Sie haben das Verfahren inzwischen patentiert und sind auf der Suche nach Unternehmen, die auf dieser Grundlage eine tierfreundliche Gänseleberpastete auf den Markt bringen wollen, die sich kaum vom Original unterscheidet. Dadurch könnte die qualvolle Stopfmast vielleicht schon bald der Vergangenheit angehören.
Tiere brauchen Schutz, guter Schutz braucht Wissen.
So lautet das Motto der Tier-Reporter, einem Recherchekollektiv der RiffReporter.
Wie leben die anderen Tiere auf diesem Planeten? Was haben wir Menschen mit ihnen gemein? Können sie mit uns zusammenleben? Das fragen die erfahrenen Journalistïnnen des Teams, allesamt Expertïnnen für Zoologie in ihren Reports und Reportagen – und in diesen regelmäßig erscheinenden News.
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